04.11.: Film: Coming out, Chemnitz

REIHE: L///OST///TRACES - Verlorene Spuren - Filme der DEFA 1980-1990

AJZ
Mediencafé m54
Chemnitztalstraße 54
09111 Chemnitz

04.11.2019, 21:00 - 23:00 Uhr

Eine Veranstaltung der RLS Sachsen in Kooperation mit dem AJZ Chemnitz
Urbane Konflikte um die Gestaltung der Großstadt, Debatten um Subversionsstrategien im Pop, die Verteidigung nichtheteronomative Lebensentwürfe, die Blüte der Hackerkultur -
Allesamt Themengebiete, die das heutige politische Denken und die öffentlichen Debatten mitbestimmen.
Nicht nur Spuren dieser Debatten finden sich interessanterweise in den späten Produktionen der DDR-Filmfirma DEFA. Ende der 80er Jahre spielten sich in der Kultur- und Filmszene vorrevolutionäre Prozesse ab - kein kulturpolitisch initiiertes Tauwetter wie Anfang der 60er oder 70er Jahre, sondern ganz offenbar Teil weltweiter kultureller und wirtschaftlicher Transformationsprozesse. Der Schockabsorber der DDR-Zensur war ausgefallen und so setzten Ende der 80er Jahre die Regisseur*innen und Autor*innen der DEFA Konflikte um Identität, Sexualität, Ökonomie, Technik und Urbanität in Spielfilmlänge auf die Agenda.
Nationale Leit-Erzählung in Deutschland ist die von polit-ökonomischem Zusammenbruch der DDR und Einheit 1989/90. Das Bewußtsein viel tiefgreifenderer Konflikte, deren Teil auch der Niedergang des DDR-Modells war, und die dabei wirksamen Potentiale werden von einer nationalen Erzählung einplaniert, die Spuren eingeebnet. Die oben erwähnten Phänomene in der DDR zu verorten, erscheint deshalb fatalerweise als Kuriosität. Höchste Zeit nochmal nachzuschauen, wie die Postmoderne zwischen Fichtelberg und Kap Arkona einschlug.

Zum Film:
In der Silvesternacht jagt ein Rettungswagen durch Berlin. Ein junger Mann, Matthias, hat Schlaftabletten genommen, ringt mit dem Tod. Rückblende: Ein anderer junger Mann, Philipp Klahrmann, ist ambitionierter Lehrer. Die Schüler mögen ihn, auch die Lehrerin Tanja. Sie verliebt sich in Philipp. Die beiden werden ein Paar. Da begegnet Philipp dem alten Schulfreund Jacob wieder, der ihn an die frühere homosexuelle Beziehung erinnert. Philipp hat die Neigung verdrängt, doch auf Dauer läßt sie sich nicht unterdrücken. Er lernt Matthias kennen, verliebt sich in ihn. Die leidenschaftliche Beziehung zu dem Jungen bringt ihn in schwere Konflikte. Tanja ist schwanger, er mag sie und will sie nicht enttäuschen. Für Philipp beginnt ein schmerzhafter Prozeß des Sich-Erkennens. Er weiß nicht, wohin mit sich und seinen Problemen, stößt die anderen vor den Kopf. Tanja wendet sich gekränkt von ihm ab. Matthias, für den Philipp die große Liebe ist, unternimmt einen Selbstmordversuch. Philipp überwindet schließlich die Angst vor der öffentlichen Meinung, bekennt sich zu seiner Homosexualität.
Zum Regisseur:
Der Rostocker Schauspieler Heiner Carow begann ab Beginn der 1950er Jahre eine Karriere als Regisseur bei den Film- und Fernsehanstalten der DDR. Als DEFA-Regisseur erlangte er mit Spielfilmen wie "Die Legende von Paul und Paula" (1972) und "Bis dass der Tod euch scheidet" (1977/78) große Popularität. Im "Wendejahr" 1989 brach er mit der schwulen Liebesgeschichte "Coming Out" ein hartnäckiges Tabu der DDR-Gesellschaft. Nach seiner DDR-Abrechnung "Die Verfehlung" (1990/91) war der Regisseur im wiedervereinigten Deutschland vor allem für Fernsehserien tätig...

http://sachsen.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/91MS2/coming-out/