Januar 2017

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Liebe Leserinnen und Leser,

das EnWi Newsletter Team wünscht allen Leserinnen und Lesern ein engagiertes Jahr 2017 und viele interessante politische Veranstaltungen!

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht euch euer
EnWi Newsletter-Team


24.01.: Film: "Queercore"

19:30 Uhr, Leipzig, Cinémathèque in der naTo (Karl-Liebknecht-Str. 46, 04275 Leipzig)

mit Gespräch, in Kooperation mit der Jungle World

2017, OmU, Dok, 80 min, Regie: Yony Leyser

„Queercore“ erzählt die Geschichte einer subversiven Subkultur innerhalb zweier Subkulturen, die zunächst sehr gegensätzlich anmuten: Punk und Queer- bzw. Trans*gender-Movement. Mit Hilfe seltener Archivaufnahmen, pulsierender Konzert-Mitschnitte und zahlreicher Interviews verdeutlicht der Film die Hintergründe und Ziele der schwulen Punkmusik. Und: wie weit der Einflussfaktor der Queercore-Bewegung bis in unsere heutige Zeit reicht. Besonders sehenswert machen den Film seine aufwendige Montage und der rasante Schnitt, der dem Werk eine mitreißend-stürmische, druckvolle Eigendynamik verschafft.

Sprache: Englisch mit deutschen Untertiteln
Language: English with german subtitles

Im Anschluss Gespräch mit dem Regisseur Yoni Leyser.

Eine Veranstaltung von: Cinémathèque Leipzig e.V.
Weitere Infos unter: http://cinematheque-leipzig.de/index.php

09.01. #Blockruf - Demos gegen Legida

Das Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" ruft zu Gegendemos zum zweiten Jahrestag von Legida auf:
Offener Rassismus und Nationalismus sind wieder gesellschaftsfähig geworden. Nicht erst seit dem Entstehen von PEGIDA und dem Leipziger Ableger LEGIDA zeigt sich deutlich, dass Ideologien der Ungleichwertigkeit bis in die Mitte der Gesellschaft reichen und von dort weiter ausgreifen. Gerade in Momenten, in denen Viele das Gefühl haben, unsere Gesellschaft sei von inneren und äußeren Feinden bedroht, scheint es leicht zu pauschalisieren und eigene Freiheiten aufzugeben, bevor diese angegriffen werden könnten.

Unter dem Eindruck einer komplexer werdenden Welt, einem kapitalistischen System in Dauerkrise, einer Vielzahl nur schwer durchschaubarer kriegerischer Konflikte weltweit und dem Auflösen alter Gewissheiten und Rollenbildern zeigen sich Teile der Bevölkerung demonstrativ überfordert und verweigern sich pauschal einem gesellschaftlichem Diskurs. In dieser Situation, angeheizt durch die Panikmache von Populisten und unterstützt durch ein Meer von Falschnachrichten, ist die Zustimmung zu autoritären Weltbildern und nationalistischen Tönen gewachsen.

Statt diese Herausforderung für die pluralistische Demokratie anzunehmen und offensiv für eine moderne weltoffene Gesellschaft zu streiten, haben sich die demokratischen Kräfte in die Defensive drängen lassen.

Seit zwei Jahren versucht LEGIDA ähnlich wie Pegida in Dresden, die Deutungshoheit im öffentlichen Raum zu besetzen. Das ist eine offen gestellte Machtfrage – und es ist LEGIDA nicht gelungen.

Nur anfänglich konnte eine vierstellige Zahl an Menschen mobilisiert werden, die aber stets gegenüber den ihnen widersprechenden Menschen in der Unterzahl war. Trotz der Bandbreite der Gesellschaftsentwürfe haben sich alle demokratischen Gegenkräfte zu dem ewig gestrigen Ungeist auf einen Minimalkonsens geeinigt und im Protest Einigkeit gezeigt. Auch wenn sich Hooligans, organisierte Neonazis, Identitäre und selbst die aus der Zeit gefallenen Reichsbürger*innen dieser Bewegung anschlossen, wurde sie in die Defensive gedrängt und bedurfte jedes Mal eines repressiven Polizeiapparates zur Absicherung. Für zuletzt 150 vom Ungeist des Nationalismus beseelte Menschen wurden mehrere Hundertschaften Polizei mit Wasserwerfern und Räumpanzern aufgefahren.

Aber auch durch den „Cordon Sanitaire“ der Gegendemonstrationen ist Menschenverachtung in Leipzig eingesickert. Etliche Veranstaltungen zur Unterbringung von Geflüchteten zeigten, wie weit Einstellungsmuster der Ungleichwertigkeit und offener Rassismus sich auch in Leipzig ausbreiten. Abseits der montäglichen Prozeduren ist Rechtspopulismus und Rückwärtsgewandheit bis hin zu offener Menschenverachtung wieder salonfähig geworden. Wer über LEGIDA spricht, darf über Abwertung und Hass, wie er auch in demokratischen Parteien und Initiativen vorkommt, nicht schweigen. Wer über LEGIDA spricht, muss über den offenen menschenverachtenden Rechtspopulismus sprechen, der täglich durch die AfD verbreitet wird und sich auch bei allen anderen Parteien des politischen Spektrums Vertreter findet.

Den kompletten Aufrauf und aktuell Infos findet ihr hier.

10.01. Film: Golden Dawn - A personal Affair

Film in der Cinémathèque in der naTo
Karl-Liebknecht-Str. 46, 04275 Leipzig
Uhrzeit: 19:30
Jungle World präsentiert

Griechenland 2015, dt.Fassung, teilweise untertitel, 90 min, Regie: Angélique Kourounis

mit deutschen Untertiteln with german subtitles

Ein Dokumentarfilm zur neonazistischen griechischen Partei Chrysi Avgi (Golden Dawn).

Von einer militanten Kleinstgruppierung zur drittstärksten Partei Griechenlands innerhalb von zwei Jahren: Mit dem Aufkommen der Krise etablierte sich die neonazistische Bewegungspartei Chrysi Avgi (Golden Dawn) auf den Straßen und in den Parlamenten. Sie kommt zunehmend im politischen Mainstream an. Doch, wie konnte das passieren? Die FilmemacherInnen bieten einen Einblick in das strategische Vorgehen der Parteispitze und decken Denkmuster und Handlungsweisen lokaler AktivistInnen auf. Der Film kontrastiert das vermeintlich soziale Bild der Partei nach außen mit dem inneren Kitt einer faschistischen Ideologie, die sich in rassistischen Übergriffen und hierarchischen Strukturen äußert.

Im Anschluss Diskussion mit der Regisseurin Angélique Kourounis und Thomas Iacobi, Journalist und Co-Autor des Films.
Moderiert wird das Gespräch von Thorsten Mense (Jungle World)

13.01.: Vortrag: Inklusion − oder worüber wir eigentlich reden sollten. Eine gesellschaftskritische Betrachtung.

Dipl.-Sozialpäd. Matthias Meyer – Inklusion − oder worüber wir eigentlich reden sollten. Eine gesellschaftskritische Betrachtung
13.01.2017, Uhrzeit: 17:00 Uhr, Uni Leipzig, Raum: HS 3

Mit der „Convention on the Rights of Persons with Disabilities“ (United Nations 2006) ist das wohl wichtigste Dokument seit dem „Salamanca-Statement“ (United Nations 1994) als rechtliche Verankerung für Inklusion vorgelegt worden. Aber was heißt eigentlich Inklusion? Insgesamt herrscht eine Eindeutigkeit in der Uneindeutigkeit eines Begriffsverständnisses von Inklusion. Diese Uneindeutigkeit birgt die Gefahr der Vereinnahmung des Begriffs von Akteuren, die diesen entgegen der ursprünglichen Intention für ihre Zwecke missbrauchen. So wird vermehrt von einer Inklusionsrhetorik gesprochen, die einer Realität von Inklusion zuwiderläuft. Stichwort hierbei sind beispielsweise neoliberale Entwicklungen, die das Individuum immer mehr in die Verantwortung nehmen für Gelingens-, vor allem aber für Scheiternsprozesse. Eine sich kritisch verstehende Erziehungswissenschaft, die explizit gesellschaftliche Bedingungen von Bildung und Erziehung berücksichtigt, verbietet eine allein beim Individuum ansetzende Erklärung. Zudem zeigt sich vielmehr, dass strukturelle Lebensbedingungen des Aufwachsens schwieriger geworden sind und nicht die Kinder und Jugendlichen, die vielfach einem erhöhten Exklusionsrisiko ausgesetzt sind. Was also anfangen mit einer zunehmenden Biologisierung bzw. Medikalisierung normabweichenden Verhaltens? Was anfangen mit einer Zunahme Entlastung suggerierender, sozialtechnologischer Programme? Was anfangen mit einer zunehmenden Ökonomisierung von Erziehungs- und Bildungsprozessen? Vermutlich liegt die Antwort darin, Fragen zu stellen − kritische Fragen unter anderem Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen sowie institutionell-gesellschaftliche Bedingungen von Erziehung und Bildung betreffend. Es zeigt sich, dass wir zumindest zusätzlich über etwas Anderes als Inklusion sprechen sollten.

Infos hier.

14.-15.01. Workshop: Was ist Kritik?

Workshop mit Christian Schmidt (Uni Leipzig) und Robert Zwarg (Simon-Dubnow-Institut Leipzig)

Uhrzeit: 10-18 Uhr

‚Kritik der politischen Ökonomie‘ – so lautet der Untertitel des Marx‘schen Hauptwerkes ‚Das Kapital‘. Dass es sich dabei um eine doppeldeutige Formulierung handelt, ist oft genug betont worden. Marx‘ Kritik, so die gängige Interpretation, habe einerseits die Lehrmeinungen der ökomischen Wissenschaften zum Gegenstand, andererseits aber auch die kapitalistische Gesellschaft selbst. An der Notwendigkeit einer solchen Kritik hat sich seit Marx‘ Zeiten wenig geändert. Sowohl die gesellschaftlichen Verhältnisse als auch ihr ideologischer Ausdruck in den wissenschaftlichen Theorien schreien geradezu nach Kritik. Unklar ist hingegen, worauf sich eine solche Kritik stützen kann. Was die Ablehnung kapitalistischer Vergesellschaftung in letzter Instanz begründet, bleibt meist im Dunkeln. Wir wollen uns deshalb in einem zweitägigen Workshop ausführlicher mit den Grundlagen der Kritik auseinandersetzen. Was bedeutet es, jemanden oder etwas zu kritisieren? Wie kann zwischen guter und schlechter Kritik unterschieden werden? Braucht es unterschiedliche Typen von Kritik für unterschiedliche Gegenstände oder gibt es ein universell richtiges Verfahren des Kritisierens? Bei der Diskussion dieser und anderer Fragen soll der Fokus auf vier besonders einflussreiche Typen der Kritik gelegt werden: 1. Die normative Kritik mit ihrer Behauptung der Existenz überzeitlicher und universeller Maßstäbe der Bewertung sozialer Praktiken; 2. die Kritik durch Darstellung und ihrem Anspruch, bei der Kritik auf normative Maßstäbe verzichten zu können; 3. die immanente Kritik mit dem Vorhaben, die kritischen Maßstäbe im Gegenstand der Kritik selbst aufzufinden und 4. die genealogische Kritik, welche den Gegenstand durch das Aufzeigen seines historischen Charakters kritisieren will. Wir haben dazu einen Reader zusammengestellt und möchten uns die Texte und deren Positionen gemeinsam mit euch aneignen. Theoretische und argumentative Unterstützung geben uns dabei Christian Schmidt (Uni Leipzig) und Robert Zwarg (Simon-Dubnow- Institut Leipzig).

Da die TeilnehmerInnenzahl begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung per Mail (kontakt@marx-expedition.de) bis zum 04.01.2017. Der Reader, ein Ablauf- und Zeitplan sowie der Veranstaltungsort werden nach erfolgreicher Anmeldung per E-mail verschickt.

Der Reader enthält folgende Texte, die zur Vorbereitung auf den Workshop zu lesen sind:

Einleitung

  • Jaeggi, Rahel/Wesche, Tilo: Einführung: Was ist Kritik?, in: Was ist Kritik?, hrsg. von dens., Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S. 7-20, hier S. 7-13.
  • Bohlender, Matthias: Was ist Kritik? Versuch einer Archäologie, in: Ideenpolitik: geschichtliche Konstellationen und gegenwärtige Konflikte, hrsg. von Harald Bluhm, Karsten Fischer und Marcus Llanque, Berlin: Akademie Verlag 2011, S. 3–18.

1. Normative o. transzendentale Kritik

  • Forst, Rainer: Der Grund der Kritik. Zum Begriff der Menschenwürde in sozialen Rechtfertigungsordnungen, in: Was ist Kritik?, hrsg. von Rahel Jaeggi und Tilo Wesche, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S. 150-164.

2. Nicht-normative Kritik o. Kritik durch Darstellung

  • Heinrich, Michael: Die Wissenschaft vom Wert: die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition, Münster: Westfälisches Dampfboot 2006, S. 372-384.

3. Immanente Kritik

  • Jaeggi, Rahel: Kritik von Lebensformen, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2014, S. 257-309.

4. Genealogische Kritik

  • Saar, Martin: Genealogische Kritik, in: Was ist Kritik?, hrsg. von Rahel Jaeggi und Tilo Wesche, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S. 247-265.
  • Honneth, Axel: Einleitung: Genealogie als Kritik, in: Michel Foucault. Zwischenbilanz einer Rezeption. Frankfurter Foucault-Konferenz 2001, hrsg. von dems. und Martin Saar, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2003, S. 117-121.

Mehr Infos hier.

18.01.: Vortrag: Aufklärung ohne Phrasen. Die Aktualität des pädagogischen Adorno.

Prof. em. Dr. Klaus Ahlheim – Aufklärung ohne Phrasen. Die Aktualität des pädagogischen Adorno
18.01.2017, 19.00 Uhr, Uni Leipzig, Raum: HS 3

In der sogenannten Flüchtlingskrise, die eigentlich die Krise eines neoliberalen und zugleich neonationalistischen Europas ist, erweist sich der pädagogische Adorno als hochaktuell. Die flüchtlings- und fremdenfeindlichen Aktionen, die derzeit stattfinden, zeichnen sich im Kern durch die Unfähigkeit zu Empathie, zum Mitleiden und Sich-Einfühlen aus. Adorno hat wie kaum ein anderer in der Geschichte der neueren Pädagogik diese Unfähigkeit zur Empathie, die „Kälte des isolierten Konkurrenten“, ins Zentrum einer kritischen Pädagogik „nach Auschwitz“ gestellt. Er hat die subjektiven und objektiven Ursachen dieser Empathielosigkeit analysiert und bei aller Skepsis doch entschlossen daran festgehalten, dass frühkindliche Bildung, Erwachsenenbildung und nicht zuletzt die Schule Orte einer fundamentalen politischen Erkenntnis sein müssen und können, der Erkenntnis nämlich, dass gesellschaftliche Verhältnisse gemacht und damit veränderbar sind und dass ein menschliches Zusammenleben denk- und machbar ist, das keine Fremden, Anderen, Flüchtlinge als Sündenböcke mehr braucht. Im Vortrag soll ausgehend von Adornos pädagogischen Theorien und aktuellen Forschungsergebnissen zur Empathiebildung eine mögliche Ursache für die gesellschaftliche Kälte diskutiert werden. Dieser Vortrag steht somit im Kontext des bildungswissenschaftlichen Moduls „Bildung in historischer, systematischer und internationaler Perspektive“, da er sowohl an die Frage anknüpft, was das wahre Wissen ist, und wie dieses vermittelt werden kann, als auch an eine Perspektive auf eine immer divergierendere Gesellschaft im Kontext der Holocaust-Education, die sich dennoch dem Adorno’schen Imperativ für Bildung unterwerfen soll.

Infos hier.

25.01. Film und Gespräch: Seefeuer – Fuocoammare

in der Cinémathèque in der naTo
Karl-Liebknecht-Str. 46, 04275 Leipzig
Uhrzeit: 19 Uhr

Italien/Frankreich 2016, OmU, Dok, 115 min, Regie: Gianfranco Rosi
Sprache: Italienisch mit deutschen Untertiteln
Language: Italian with german subtitles

Ein Jahr lang beobachtete Regisseur Gianfranco Rosi Leben und Alltag auf Lampedusa, der „Insel der Hoffnung“, die zur Anlaufstelle unzähliger Flüchtlinge wurde.

Der mehrfach ausgezeichnete Film von Gianfranco Rose zeigt das Leben und den Alltag auf der kleinen italienischen Insel Lampedusa. Die Insel gilt, aufgrund ihrer Lage, als ein zentrales 'Tor' der Festung Europa, an dessen Pforten Flüchtende aus den verschiedensten Ländern Afrikas um Einlass bitten. Während diese auf dem Weg über das Mittelmeer ihr Leben aufs Spiel setzen nimmt gleichzeitig das alltägliche Leben der Einwohner auf Lampedusa seinen Lauf. Der Junge Samuele möchte wie sein Vater Fischer werden, der Arzt Bartolo Pietro behandelt Einwohner und Flüchtende in seiner Praxis, die Kinder spielen auf der Straße mit Steinschleudern. Der Film widmet sich mit einem besonderen Sinn fürs Detail den verschiedenen Lebenssituationen der Menschen auf der Mittelmeerinsel.

Im Anschluss lädt die Studierendengruppe der IPPNW Leipzig (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e. V) zu einem Erfahrungsbericht und Gespräch von und mit Lukas Weinspach von Sea-Watch e.V. ein. Wir wollen die Erfahrungen in der Realität mit den im Film gesammelten Eindrücken vergleichen und die stilistische Ausrichtung des Dokumentarfilms kritisch hinterfragen.

07.01.: Demo Oury Jalloh ist kein Einzelfall – keiner wird vergessen werden! Dessau

KAMPAGNE am 7. Januar 2017 gegen das #Verbrennen-#Vertuschen-#Verschweigen-#Verfolgen
Der 7. Januar 2017 und damit das Gedenken zum 12. Todestag von OURY JALLOH, der von Polizisten erst seiner Freiheit, dann seiner Handlungsfähigkeit und schließlich auf bestialische Weise seines Lebens beraubt wurde, wird im nächsten Jahr an einem Sonnabend stattfinden!

Die Polizei von Dessau-Roßlau hat Oury Jalloh am 7. Januar 2005 erst rechtswidrig fest- und dann weiterführend rechtswidrig in Gewahrsam genommen, ihn dann an allen vier Extremitäten auf eine feuerfeste Matratze in der gefliesten Gewahrsamszelle Nr. 5 fixiert und ihn bis zur Unkenntlichkeit verbrannt…

Der deutsche „Rechtsstaat“ hat – in bester rassistischer Tradition – von Anfang an eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben und gegen alle Fakten und bis in die höchsten richterlichen Instanzen hinein die unbewiesene Hypothese von der Selbstverbrennung Oury Jallohs aufrecht erhalten. Die Täter werden bis heute durch Unterschlagung und Manipulation von Beweismitteln und logikverachtende Ignoranz gegenüber offenkundigen Beweisen geschützt, die Familie und das Opfer verhöhnt, Verantwortung und Gerechtigkeit werden verweigert! Stattdessen sollen diejenigen, die für die Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh kämpfen, durch massive staatliche Repression zum Schweigen gebracht werden!

Wir laden alle, denen an der Verhinderung weiterer rassistischer Morde durch Staatsbeamte mit und ohne Uniform, mit und ohne Robe aber auf jeden Fall mit menschenleben-verachtender Scheinheiligkeit ein, unser Gedenken am 7. Januar direkt in Dessau-Roßlau zu unterstützen und eine kraftvolle Demonstration gegen staatlichen Rassismus in allen Behörden und Ministerien dieses Landes zu setzen – nicht nur in Sachsen-Anhalt – nicht nur in Deutschland – nicht nur innerhalb Europas. Am Sterben der hier „fremd“-definierten Menschen auf der ganzen Welt hat Deutschland einen bedeutenden und aktiven Anteil.
Der komplette Aufrauf und weitere Details giebt es hier.

Artikel: Blauer Montag: "Flüchtlingskrise" und autoritäre Integration

Nach dem „Sommer der Migration“ hat es verschiedene staatliche Versuche gegeben, das europäische Grenzregime zu erneuern. Zugleich wurde – unter den Bedingungen der Austeritätspolitik – der Versuch einer Sortierung der Geflüchteten nach dem Kriterium der Verwertbarkeit ihrer Arbeitskraft unternommen. Die Hamburger Gruppe Blauer Montag diskutiert im Artikel "'Flüchtlingskrise' und autoritäre Integration" die Folgen einer solchen Politik. Der Text ist der Anfang einer Reihe von Beiträgen, die historische und aktuelle Entwicklungen im Spannungsfeld zwischen (kapitalistischer) Arbeit und Migration analysieren.
Es handelt sich um eine Vorveröffentlichung aus Heft #20 von Sozial.Geschichte Online, das im Frühjahr 2017 erscheinen wird.

Zum Artikel geht es hier.

Buch: Roßhart (2016): Klassenunterschiede im feministischen Bewegungsalltag

Klassenunterschiede im feministischen Bewegungsalltag.
Anti-klassistische Interventionen in der Frauen- und Lesbenbewegung der 80er und 90er Jahre in der BRD
Autor: Julia Roßhart
Verlag: w_orten & meer
Erschienen im Dezember 2016
Umfang: ca. 574 Seiten
Preis: 19,80 Euro

Wie wirken sich Klassenunterschiede auf das feministische Miteinander aus? Und was kann gegen Klassismus im eigenen politischen Umfeld unternommen werden? Feministische Akteurinnen der 80er und 90er Jahre machten darauf aufmerksam, wie Klassenunterschiede den Bewegungsalltag prägten. Aktiv arbeiteten sie dagegen an. Sie gründeten Gruppen und riefen ein Umverteilungskonto ins Leben. Sie sprachen über Klassenherkunft, persönliche Diskriminierungserfahrungen und Geld. Sie schrieben Texte, suchend und fragend, wütend und offensiv, selbstermächtigend und inspirierend. Sie übten Kritik und forderten Solidarität und Veränderungen ein. Julia Roßhart versammelt in diesem Band anti-klassistische Binneninterventionen der autonomen Frauen- und Lesbenbewegung der BRD. Sie bettet die Aktivitäten bewegungsgeschichtlich ein, bringt sie miteinander in Dialog und würdigt sie als Teil feministischer Bewegung und Theoriebildung. Durch Recherchen in Bewegungszeitschriften und -büchern, in Programmheften und Protokollen, ergänzt durch Gespräche mit Protagonistinnen, gelingt es, damalige feministische Szenen lebhaft und nah heranzuholen. Nicht zuletzt bietet diese wichtige Aufarbeitung Inspirationen für gegenwärtige linke_queere_feministische Politik und Aktivismen.

Interface 8/2: Social movement auto/biographies

Volume eight, issue two of Interface, a peer-reviewed online journal produced and refereed by social movement practitioners and engaged movement researchers, is now out on the theme of social movement auto/biographies. Interface is open-access (free), global and multilingual. Our overall aim is to "learn from each other's struggles": to develop a dialogue between practitioners and researchers, but also between different social movements, intellectual traditions and national or regional contexts.

Articles in this issue include:
Editorial

Social movement auto/biographies
Peter Waterman, Lesley Wood, Laurence Cox

Call for papers volume 9 issue 2

Social movement thinking beyond the core: theories and research in post-colonial and post-socialist societies

Themed pieces

Social Library Conxa Pérez,
A brief reflection on Conxa Pérez’ political commitments

Silke Roth,
Professionalisation and precariousness: perspectives on the sustainability of activism in everyday life

David Van Deusen,
The rise and fall of the Green Mountain Anarchist Collective

Peter Waterman,
Of icons, of myths and of internationalists

Peter Waterman,
Gerard Kester’s search for democracy: on the autobio of a Dutch academic specialist on worker self-management

Peter Waterman,
Social movement auto/biographies: a rough guide to sources and resources

Indira Palacios-Valladares,
Protest communities and activist enthusiasm: student occupations in contemporary Argentina, Chile and Uruguay

Laurence Cox,
Researching transnational activist lives: Irish Buddhists and the British Empire

General pieces

Paddy O’Halloran,
The African University as a site of protest: decolonisation, praxis, and the Black Student Movement at the University Currently Known as Rhodes

Alessandro Mariano, Erivan Hilário, Rebecca Tarlau,
Pedagogies of struggle and collective organization: the educational practices of the Brazilian Landless Workers Movement

Simone da Silva Ribeiro Gomes,
Notas sobre um deslocamento de legitimidades: uma discussão acerca da violência a partir das jornadas de junho 2013

Pamela Pietrucci,
Voices from the seismic crater in the trial of the Major Risk Committee: a local counternarrative of “the l’Aquila Seven”

Adam Kingsmith,
Why so serious? Framing comedies of recognition and repertoires of tactical frivolity within social movements

David Langstaff,
What could it mean to mourn? Notes on and towards a radical politics of loss and grieving

Luca Sebastiani, Borja Íñigo Fernández Alberdi, Rocío García Soto,
Lotte per il diritto alla casa nello Stato spagnolo: la Plataforma de Afectados por la Hipoteca. Campagne, successi e alcune chiavi di riflessione

Ruedi Epple and Sebastian Schief,
Fighting (for) gender equality: the roles of social movements and power resources

John Hayakawa Torok,
On Oakland’s Decolonize/Occupy Moment 2011-2013

Zur Webseite des Journals geht es hier.

CfP (deadline: 28.01.): "Müll und globalisierte Ungleichheiten"

Journal für Entwicklungspolitik (JEP) 2019-1
Schwerpunktredaktion: Nicolas Schlitz, Stefan Laser

Müll und globalisierte Ungleichheiten
Abstract Einreichfrist: 28. Januar 2018
[English version below]

Kapitalistische Verhältnisse und transnationale Produktionsnetzwerke haben sich in den letzten 30 Jahren stark verändert und ausgedehnt. Damit einher ging ein exponentielles Wachstum – auch von entsorgten Materialien. Das resultierende ‚Müllproblem‘ manifestiert sich in verschiedensten Abfallmaterialien, hat multiple Ausdrucksformen gefunden und an unterschiedlichen Orten zu stark variierenden Formen der Abfallhandhabung geführt. In diesem Themenheft wollen wir die unterschiedlichen Perspektiven auf Müll für das Thema Ungleichheiten schärfen. Vorhandene Studien haben die ungleiche Einkommensverteilung entlang von globalen Wertketten des Mülls untersucht oder intersektionelle Machtverhältnisse innerhalb der Abfall- und Recyclingwirtschaft aufgedeckt. Aber die Mechanismen, durch die intersektionelle Machtverhältnisse und soziale Ungleichheiten miteinander verwoben und global stabilisiert werden, erfordern weiterhin Erklärung.

Die Arbeiten innerhalb der waste studies haben bereits die millionenschwere Industrie gefährlicher Abfälle untersucht, sie haben auf alternative Praktiken der Abfallhandhabung durch marginalisierte Gruppen aufmerksam gemacht, und sie sind auf die Auswirkungen von großen, kapital- und technologieintensiven Abfallinfrastrukturen eingegangen (die von internationalen Finanzinstitutionen im Namen der „Entwicklung“ vorangetrieben werden). Dabei erscheint Müll als mobile und schwer zu fassenden Entität, die sich den Versuchen einer Definition und Fixierung entzieht. Denn was zu Müll wird, ist von der Unterscheidung und Klassifizierung von Dingen genauso abhängig wie von den Ungleichheiten zwischen Menschen und Wertregimen. An dieser Stelle erfordern (mindestens) drei Spannungslinien eine vertiefende Analyse:



(1) Räumliche Transgressionen und materielle Metamorphosen von Müllströmen und Recyclingnetzwerken

(2) Informalität und umkämpfte Prozesse der Formalisierung

(3) Das Verhältnis von Müll, Arbeit und Wert(-ordnungen)


Willkommen sind (unter anderem) Beiträge zu den Themen:

- Recyclingnetzwerke, Logistik und der globale Handel mit Müll

- Multilokale und Einzelfallstudien

- Das Basler Übereinkommen und die Verbreitung von Giftstoffen

- Abfallspezifische Konflikte und Umweltgerechtigkeit

- Recyclingökonomien und die Forderung von informalisierten Recyclingakteur*innen nach Anerkennung und Inklusion

- Umkämpfte Prozesse der Formalisierung informeller Abfallwirtschaft

- Privatisierung öffentlicher Abfallhandhabung und Public-private-Partnerships

- Abfallinfrastrukturen und Widerstände gegen Refuse Derived Fuel und Waste-to-Energy-Projekte

- Finanzialisierung und Technologisierung der Abfallwirtschaft

- Wertordnungen und konkurrierende Bewertungspraktiken

- Infrastrukturierung von Ungleichheiten, wie in den Science and Technology Studies diskutiert

Einreichfristen: Abstracts sollen nicht mehr als 300 Wörter umfassen und sind bis zum 28. Januar 2018 an global-waste@uni-osnabrueck.de zu schicken. Die Autor*innen der ausgewählten Abstracts werden bis zum 12. Februar 2018 verständigt. Beiträge können in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden.


Die Frist zur Einreichung der vollständigen Artikel (6.000 Wörter/40.000 Zeichen) ist der 22. April 2018.

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Call for Papers
Austrian Journal of Development Studies (JEP) 2019-1
Special Issue Editors: Nicolas Schlitz, Stefan Laser

Waste and globalised inequalities
Abstract Deadline: January 28, 2018

Global capitalism and its transnational production networks have grown and changed drastically during the last three decades. This was coupled with an exponential growth, also of waste. The resultant ‘waste problem’ involved various types of waste, found different articulations and provoked variegated practices of waste handling at multiple sites. In this special issue we want to discuss multiple perspectives of waste through the focus on inequalities. Existing studies have investigated the unequal distributions of wealth along the value chains of waste or unraveled the intersectional hierarchies at work in waste management and recycling. However, the mechanisms by which intersectional hierarchies and social inequalities are stabilised and intertwined globally still require further investigation.

In the field of waste studies, scholars tracked the billion-dollar industries of hazardous waste, drew attention to alternative practices of waste handling by marginalised communities, and addressed the impact of large-scale, capital- and technology-intensive waste infrastructures (often promoted by international financial institutions in the name of development). Waste thus appears as a mobile and slippery entity that escapes attempts to define and fix it. Indeed, it really hinges on differences as regards objects, and inequalities between people and value orders. However, there are (at least) three points of friction which require further attention.

(1) Spatial and material transgressions of waste flows and recycling networks, especially with regard to the invocation, reestablishment or challenge of globalised inequalities

(2) Informality and (un)contested processes of formalisation, and how they resonate with the renegotiation and reinforcement of intersectional hierarchies and capitalist social relations

(3) The relations between waste, work and value (orders)


Drawing on these frictions, we would appreciate (amongst other) contributions on:

- Recycling networks, logistics and the global trade in waste

- Single-site or multi-site case studies

- The Basel Convention and the proliferation of toxicants

- Waste-related conflicts and environmental justice

- Recycling economies and informalised recycling agents’ call for recognition and inclusion

- Contradictory processes of formalisation and integration of informal waste handling

- Public-private partnerships and the privatisation of municipal solid waste management

- Waste infrastructures and resistance to refuse-derived fuels and waste-to-energy projects

- Financialisation and technologisation of waste management

- Value regimes and competing practices of valuation

- Infrastructuring of inequality, as discussed in the field of science and technology studies


Deadlines: Abstracts of no more than 300 words should be sent to global-waste@uni-osnabrueck.de by January 28, 2018. Authors of selected abstracts will receive a notification by February 12, 2018. Papers may be submitted in German or English.

The deadline for submitting the full paper (6,000 words/40,000 characters) is April 22, 2018.

08.01. (Deadline): Mitarbeiter_in in der Rechtsextremismusprävention, Frankfurt a.M.

Das ISS-Frankfurt am Main ist e ines der führenden Praxisberatungs- und Praxisforschungsinstitute in Deutschland. Informationen zu unseren Tätigkeitsfeldern können Sie unserer Homepage entnehmen ( www.iss-ffm.de ).
Für den Ausbau und die Verstetigung unseres Arbeitsfeldes „Prävention von Rechtsextremismus und Demokratieförderung“ suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt befristet auf zwei Jahre eine wissenschaftliche Mitarbeiterin / einen wissenschaftlichen Mitarbeiter (39 Std./Wo. / Teilzeit ist möglich)
Aufgabe des/r Stelleninhabers/in ist die wissenschaftliche Begleitung der Partnerschaften für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ insbesondere

  • Empiriegeleitete Entwickl ung von Evaluationsdesigns
  • Quantitative und qualitative Er hebung von Programm- und Projek tdaten
  • Statistische Auswertung quant itativer Analysen mittels SPSS
  • Qualitative Datenauswertung mittels MAXQDA
  • Berichtserstellung
  • Einordnung der Ergebnisse in a ktuelle Forschungskontexte.

Die vollständige Ausschreibung gibt es hier.

31.01. (deadline): 15 Doktorandenstellen (versch. Orte)

Would you like to research a PhD on the EU's legitimacy after the financial crisis? Would you like to start your career in a European training network of leading research universities and professionals from the policy advice, consulting and civil society sectors?

PLATO's partner universities in Antwerp, Berlin, Cambridge, Krakow, Oslo, Paris, Prague, Twente, and Vienna are recruiting candidates to conduct a team PhD within an integrated network.

Mehr Infos hier.

07.02. (Deadline): 5-8 Doktorandenstellen in Politikwissenschaft (Göteborg)

3-4 positions are are associated with the Quality of Government (QoG) Institute.

1-3 positions are associated with one of two projects: Varieties of Democracy (V-Dem) and Governance and Local Development at Gothenburg

1 postition is associated with the Centre for Collective Action Research (CeCAR)

Mehr Infos und Ausschreibungstexte gibt es hier.

07.02. (Deadline): 3 Doktorandenstellen in Peace and Development Research (Göteborg)

Type of employment: Fixed-term employment, 4 years
Extent: 100 %
Location: School of Global Studies, Gothenburg
First day of employment: 1 September 2017
Reference number: UR 2016/1187

Peace and Development Research at the University of Gothenburg is a leading site of interdisciplinary and action-oriented enquiry spanning all world regions. The 50 researchers in the subject group take a broad range of approaches to peace and development, including but not limited to conflict research, critical security studies, gender analysis, human rights, global political economy, migration, regional studies, and resistance studies.
Job assignments

The aim of doctoral studies is to acquire the necessary knowledge and skills to conduct autonomous research within the field of peace and development. The position entails one year of courses and culminates in the production of a dissertation which makes a significant original contribution to knowledge. The acquired knowledge and skills should be further applicable in postdoctoral research or other professional work.

The doctoral studentships begin in September 2017 and cover four years (full-time equivalent, fixed term). The position holder may undertake departmental duties corresponding to up to 20% of full-time. In this case, the duration of the appointment will be extended accordingly.
The studentships cover tuition costs plus salary as an employee of the University of Gothenburg.

Mehr Infos hier.

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