August 2015

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Liebe Leserinnen und Leser,

falls ihr Angst vor dem Sommerloch habt und eure politische Aktivität nicht auf Occupy Cospudener Strand beschränken möchtet, dann haben wir für euch einige Tipps zusammengestellt. Von EnWi gibt es im August keine Veranstaltungen, aber ein Ausstellungsbesuch im Conne Island oder ein Stadtrundgang lohnt sich bestimmt. Wenn Ihr gerade in der Urlaubsvorbereitung seid, dann haben wir ein paar Lektüreempfehlungen für euch (schaut dafür auch nochmal in den Juli-newsletter).

Viel Vergnügen beim Lesen wünscht euch

Euer Newsletter-Team!


01.08.: Stadtteilrundgang Zwangsarbeit in Lindenau

mit Paula Mangold

Während der NS-Zeit wurden in Leipzig Menschen aus ganz Europa durch Zwangsarbeit ausgebeutet. Der Stadtteilrundgang gibt eine kurze Einführung in das Thema Zwangsarbeit und stellt ausgewählte Orte in Lindenau vor, an denen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben mussten. Es werden nicht nur Lagerorte und Arbeitsstätten, sondern auch alltägliches Leben wie die Versorgung und das Verhältnis der Arbeiterinnen und Arbeiter zur deutschen Bevölkerung dargestellt. Der Rundgang endet am "Jahrtausendfeld" (Karl-Heine-Straße).

11:00 Uhr Treffpunkt am Eingang der Kleinmesse, Cottaweg (Dauer ca. 1½ Stunden)

06.08-15.10.: FIlmfestival: "GlobaLE - Globalisierungskritisches Filmfestival"

Die 11. globaLE findet vom 06.08. – 15.10.2015 statt. Unabhängig davon gibt es hin und wieder Veranstaltungen die wir über das ganze Jahr hinweg zwischendurch einschieben.

Freut Euch auch in diesem Jahr auf globalisierungskritisches Kino in Leipzig und spannende Diskussionen (Filme, Termine und Veranstaltungsorte, Programmflyer als pdf, Plakat als pdf).

Der Eintritt ist wie immer frei.

Das Projekt globaLE ist ein politisches Filmfestival, welches Film als Medium nutzt, um die globalen Auswirkungen des Neoliberalismus zu dokumentieren, aber auch den Widerstand gegen Ausbeutung und Ausgrenzung zu zeigen und wie Menschen ihren Mut, ihre Würde und ihre Hoffnung nicht verlieren. Dabei ist Film eine Ausdrucksform, die einen direkten, sinnlichen Zugang zur globalen Wirklichkeit schaffen kann. Thematische Filme, hauptsächlich Dokumentationen, sollen einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

Unterstützt wird das ganze durch Vorträge und Diskussionen. Dazu zeigen wir im Sommer / Herbst 2015 wöchentlich im Freien und in Leipziger Programmkinos Filme zu verschiedenen Themenkomplexen und laden interessante Gäste ein.

Filme, Termine und Veranstaltungsorte hier.
(Bitte ggf. kurzfristige Aktualisierungen beachten.)

14.08.-20.08. Ausstellung: Die verschwiegenen Toten (Conne Island)

Wann? 14. – 20.08.2015 von 16:00 bis 21:00 Uhr
Wo? Conne Island, Leipzig

Seit 1990 zählt die Amadeu-Antonio-Stiftung mindestens 184 Todesopfer “rechter Gewalt” in Deutschland. In Leipzig wurden mindestens acht Menschen umgebracht, hinzu kommen zwei Verdachtsfälle. Nach diesem aktuellem Recherchestand weist Leipzig damit im bundesweiten Vergleich die zweithöhste Zahl an rechtsmotivierten Morden auf. Mit der Ausstellung „Die verschwiegenen Toten – Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig“ soll den Opfern gedacht und erinnert werden. Ziel ist die offizielle Anerkennung der Toten als "Todesopfer rechter Gewalt" sowie ein angemessener Umgang der Gesellschaft mit diesen Taten. Die einzelnen Morde erfordern eine Auseinandersetzung mit deren Ursachen, die diese Taten erst ermöglicht haben. Im Rahmen der Ausstellung soll über die Dimension rechter Gewalt in Deutschland und im Besonderen in Leipzig gesprochen werden. Zudem wird der politische, juristische und gesellschaftliche Umgang mit den Betroffenen und ihren Angehörigen thematisiert und die Notwendigkeit des aktiven Gedenkens an die Getöteten dargelegt werden.

14.08.15 um 19:00 Uhr: Eröffnungsveranstaltung mit Referat und geführtem Rundgang durch die Ausstellung
18.08.15 um 18:00 Uhr: Geführter Rundgang durch die Ausstellung

Eine Kooperation des Conne Island und dem Initiativkreis Antirassismus.

14.08.: Film: "The Truth lies in Rostock"

20:30 Uhr
2cl-Sommerkino auf Conne Island (Koburger
Str. 3, 04277 Leipzig)

+ Einleitung u. Gespräch m. Rassismus tötet!

BRD 1993, deutsche OF, Dok, 82 min, Regie: Filminitiative "Jako", Mark
Saunders, Siobhan Cleary

Der Spielfilm WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK. hat vor kurzem neue Aufmerksamkeit für die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen vom August 1992 gebracht. Der Dokumentarfilm THE TRUTH LIES IN ROSTOCK gibt einen tieferen Einblick in die damaligen Ereignisse und stellt auch die Fragen nach der Verantwortung der Politik.
Die Videodokumentation entstand 1993 unter maßgeblicher Beteiligung von Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Geschehnisse im attackierten Wohnheim befanden. Deshalb zeichnet sich die Produktion nicht nur durch einen
authentischen Charakter aus, sondern versteht sich auch Jahre danach als schonungslose Kritik an einer Grundstimmung in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die Pogrome gegen Migrant*innen möglich macht.
Eine Montage von Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen Häusern heraus, Interviews mit Anti-Faschist*innen, den vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen, der Polizei, mit Bürokraten, Neonazis und Anwohner*innen. Eine Dokumentation über das heimliche Einverständnis der Politik und über die verbreitete Angst.
Mit Einführung und anschl. Gespräch durch die Initiative Rassismus tötet, Leipzig.

Der Eintritt ist frei.

Eine Veranstaltung von: Cinémathèque Leipzig e.V.

15.08. Stadtteilrundgang: Zwangsarbeiter_innen und Zwangsarbeit in Connewitz während des Zweiten Weltkrieges

mit Florian Schäfer

Der Stadtteilrundgang stellt sechs ausgewählte Orte vor, an denen sich Lager und Arbeitsstellen von Zwangsarbeiter_innen während des Nationalsozialismus befanden. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht nicht nur die Erläuterung der funktionalen Aspekte der Lager, sondern auch der Alltag der Zwangsarbeiter_innen: Welche Arbeiten mussten sie verrichten und welchen alltäglichen Bedrohungen waren sie ausgesetzt? Wie wurden sie versorgt und welche Reaktionen von Seiten der deutschen Bevölkerung auf die Lager und die ausländischen Zwangsarbeiter_innen sind bekannt?

11:00 Treffpunkt im Innenhof des Werk 2 am Connewitzer Kreuz (Dauer ca. 1½ Stunden)

30.08.: Deadline Anmeldung: "Ritual" / Tagung in der Reihe Kritische Theorie – Psychoanalytische Praxis

30. Oktober – 01. November 2015
Hochschule für Grafik und Buchkunst, Wächterstraße 11, 04107 Leipzig

Rituale sind geronnene Wiederholungen. Zunächst einmal bieten sie Schutz und Sicherheit. Freud erkannte im frühkindlichen „Fort-Da“-Spiel die rituelle Repräsentation der abwesenden Mutter. Rituale zwängen aber auch ein. Eine durchritualisierte Welt ist eine unfreie Welt. Nicht von ungefähr galten Rituale lange Zeit als Inbegriffe des Konservativen, Starren, Förmlichen. Im Zeitalter der Deregulierung, der Hyperaktivität und des Aufmerksamkeitsdefizits wird ihre Halt gebende und strukturierende Seite wiederentdeckt. Mutieren Rituale zu Widerstandsnestern gegen die allgemeine Flüchtigkeit?

Können sie als Angelpunkte des Innehaltens und Wegbahner unbeirrten Denkens eine neue kritische Potenz bekommen?

Die Tagung hat die Reflexion der Rituale zum Ziel – durch eine kritische Theorie der Gesellschaft und die psychoanalytische Erfahrung.

Veranstalter & Kontakt

  • Prof. Dr. Christoph Türcke, Hochschule für Grafik und Buchkunst
  • PD Dr. Oliver Decker, Universität Leipzig, oliver.decker@medizin.uni-leipzig.de
  • Programm und Alle Informationen

15.08. Deadline für: "Crashkurs Rohstoffpolitik", Dresden & Freiberg

Liebe Braunkohlegegner, Energiewendler, Goldgräber, Bodenschätzende und sonstige Rohstoffinteressierte,
INKOTA Netzwerk, PowerShift und Brot für die Welt laden herzlich ein zum "CRASHKURS ROHSTOFFPOLITIK" am 11./12. September 2015 in Dresden und Freiberg.

Der Crashkurs für politisch Aktive und MultiplikatorInnen aus Parteien, Gewerkschaften sowie umwelt- & entwicklungspolitischen NGOs führt in Themen der Rohstoffpolitik und ihre sozialen und ökologischen Folgen
ein. Dabei wird das Vorgehen deutscher und europäischer Akteure und ihre Strategie zur Rohstoffgewinnung ebenso beleuchtet wie die Folgen des Abbaus in den Herkunftsländern. Zudem werden Forderungen nach Ressourcengerechtigkeit und alternativen Konzepten zur Rohstoffgewinnung diskutiert.

Das spannende Programm und alle organisatorischen Infos findet Ihr in der Einladung.

Anmeldung bis zum 15.8.2015.
INKOTA-netzwerk e.V.

Ankündigung: 21.-26.09.: "#LiMA15 - Linke Medienakademie", Berlin

Ticketverkauf startet am 1. Juli

Die Kongressvorbereitung für den September läuft auf Hochtouren. Das vorläufige Programm ist schon auf unserer Webseite www.linkemedienakademie.de zu finden. Es wird ständig ergänzt. Ab 1. Juli können Tickets über den Ticketshop gebucht werden. Neben einem konzentrierten Weiterbildungsangebot erwarten euch zu den Tagesschwerpunkten Vorträge und Debatten.

Das Programm im Überblick:

Montag/Eröffnung: Medien im Umbruch
Dienstag: Medienrecht
Mittwoch: Digitale Medien
Donnerstag: Macht&Kommunikation
Freitag: Macht.Politik.Online.
Samstag: Wenn Konzerne den Protest managen...
- Tagung in Kooperation mit Robin Wood und LobbyControl
- Das Programm steht ab Anfang Juli auf einer eigenen Seite zur Verfügung

Ticketpreise:
Montag und Samstag: Eintritt frei!
Dienstag bis Freitag: (un)kostenpflichtig!
Tagesticket: 30,- (ermäßigt 20,-)
Wochenticket: 90,- (ermäßigt 60,-)

LiMA15 "De-Fragmentierung": Debatte und Weiterbildung
Montag, 21.09.2015 bis Samstag, 26.09.2015
Ort: Humboldt-Universität zu Berlin | Seminargebäude am Hegelplatz | Unter den Linden 6, 10099 Berlin

Autor*innenKollektiv (2015): Rassismuskritischer Leitfaden

Rassismuskritischer Leitfaden

zur Reflexion bestehender und Erstellung neuer didaktischer Lehr- und Lernmaterialien für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit zu Schwarzsein, Afrika und afrikanischer Diaspora

Autor*innenKollektiv Rassismuskritischer Leitfaden

Projekt Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel (LEO) beim Amt für Weiterbildung und Kultur des Bezirksamtes Mitte von Berlin und Elina Marmer (Hrsg.)

Der Leitfaden kann gegen 5 EUR Schutzgebühr zzgl. Porto bestellt werden: yonas.endrias[at]ba-mitte.berlin.de

Download kostenlos: IMAFREDU-Rassismuskritischer-Leiftaden_Web_barrierefrei NEU

Schulbücher geraten zunehmend in Kritik, kolonialrassistische Darstellungen von Afrika und Menschen afrikanischer Herkunft zu reproduzieren. Das IMAFREDU (Image of Africa in Education) Projekt an der Universität Hamburg hat die Auswirkung dieser Darstellungen auf Rassismus im Klassenraum untersucht.Das Ergebnis – die subtilen und offensichtlichen rassistischen Botschaften, die über defizitäre und abwertende Afrika- und Schwarzsein-Konstrukte in Texten, Quellen, Bildern und Aufgaben transportiert werden, tradieren und manifestieren rassistisches Wissen. Sie wirken gewaltvoll auf Schülerinnen und Schüler afrikanischer Herkunft.

Das Autor*innenKollektiv aus Expert*innen aus Praxis und Forschung hat sich im Rahmen des Projekts damit befasst, die geübte Kritik an vorhandenen Unterrichtsmaterialien in konstruktive Vorschläge umzuwandeln. Der vorliegende „Rassismuskritische Leitfaden zur Reflexion bestehender und Erstellung neuer Lehr- und Lerninhalte zu Schwarzsein, Afrika und afrikanischer Diaspora“ ist unser vorläufiges Ergebnis.

Der Leitfaden kann sowohl für die Unterrichtsgestaltung und Materialienerstellung als auch bei der Schulbuchproduktion und Lehrplanentwicklung zur Hand genommen werden, wenn es darum geht, die vorherrschenden kolonialrassistischen Darstellungen aufzubrechen. Er versteht sich als eine kreative Anregung zur Reflexion und Weiterentwicklung und ist mit Beispielen illustriert.

Buch: Sarah Ertl: Protest als Ereignis. Zur medialen Inszenierung von Bürgerpartizipation

Verlag: Transcript
Erschienen: Juni 2015
Umfang: 372S.
Preis: 34,99€
ISBN: 978-3-8376-3067-1

Aus der Verlagsbeschreibung:
Die mediale Inszenierung von Protest ist sowohl Zeichen der Ausgewogenheit demokratischer Teilhabe als auch Manifestation gesellschaftlicher Machtstrukturen. Die Medien dienen den Protestgruppen als Tor zur Aufmerksamkeit breiter Öffentlichkeiten. Allerdings kann bereits das sprachliche Framing in der Berichterstattung Protest marginalisieren oder kriminalisieren. Sarah Ertl geht (den Implikationen) der Protestberichterstattung in ihrer demokratischen Einbettung anhand verschiedener Case Studies nach. Dabei gerät neben dem Graswurzel-Protest auch das Phänomen des »Astroturfings« – das Lancieren von vermeintlichem Graswurzel-Protest durch profitorientierte Organisationen – in den Fokus.

Glokal-Projekt: "(De-)Koloniale Bilderwelten"

(De-)Koloniale Bilderwelten. Beiträge zur Vermeidung von Diskriminierung in der entwicklungspolitischen Spenden- und Öffentlichkeitsarbeit

Das Projekt widmet sich dem drängenden Problem diskriminierender Darstellung in entwicklungspolitischer Öffentlichkeitsarbeit. In Kooperation mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund e.V.) wollen wir die bisher punktuell und verstreut geführte Diskussion zusammenführen und einen politischen Dialog mit verantwortlichen entwicklungspolitischen Verbänden und Fundraising-Institutionen verstetigen. Das Projekt ist auf mehreren Wirkungsebenen angesiedelt:

Auf politischer Ebene soll der bereits begonnene Dialog durch Runde Tische und Beratungen verstetigt werden. Interessierte NRO können uns ansprechen.

Auf Ebene der praktischen Arbeit der NRO bieten wir zwei zweitägige Fortbildungen an (einmal in Berlin einmal bundesweit), in denen die Teilnehmenden eine höhere Kompetenz in Bezug auf die Vermeidung von diskriminierender Darstellung bei den Teilnehmenden erwerben können. Durch eine praxisorientierte gemeinsame Reflexion der aktuellen Situation, der kritischen Reflexion der eigenen Arbeit sowie der Erarbeitung neuer Herangehensweisen soll eine Vermeidung von Rassismus in seinem Zusammenspiel mit anderen Machtverhältnissen (in Bezug auf Geschlecht, Sexualität, ökonomische Situation etc.) in entwicklungspolitischer Öffentlichkeitsarbeit erreicht werden.

Filmvorführungen des Films White Charity mit anschließender Diskussion bieten einen Einstieg und guten Überblick in das Thema und eine Möglichkeit viele Menschen zu erreichen. Der Film aus dem Jahr 2011 analysiert exemplarisch entwicklungspolitische Spendenplakate aus rassismuskritischer Perspektive. Er bringt kritische Wissenschaftler_innen mit Vertreter_innen von entwicklungspolitischen NRO filmisch in ein Gespräch über Rassismus und Diskriminierung in der Spendenwerbung.

Auf Ebene der realen Bildsprache bieten wir zwei zweitägige Workshops an (einmal in Berlin einmal bundesweit), in denen Bilder konstruktiv-kreativ neu gedacht werden. Einer dieser Workshops ist explizit als Empowerment Workshop konzipiert und soll einen Schutzraum bieten, um ohne die Reproduktion von Rassismus darüber nachdenken zu können, wie Bilder über globale Ungerechtigkeit aussehen könnten.

Das Projekt wird in 2016 mit einem dekolonialen Plakatwettbewerb abgerundet und der allgemeinen Öffentlichkeit präsentiert.

Für die genannten Veranstaltungen suchen wir Kooperationspartner_innen. Sprechen sie/sprecht uns gerne per mail an!

Das Projekt wird gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ, aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst sowie der Stiftung Nord Süd Brücken.

Mehr Infos hier.

Glokal-Projekt: "mangoes & bullets - Materialien für rassismus- und herrschaftskritisches Denken und Handeln"

Wir freuen uns, dass heute unser Projekt mangoes & bullets online gegangen ist. Es ist für alle gedacht, die sich mit Rassismus und anderen Herrschaftsverhältnissen beschäftigen wollen und dabei Inspiration für Widerstand und Alternativen suchen. Hier findet ihr Anregungen für rassismuskritische, emanzipatorische Auseinandersetzungen, die zentral an einem Ort gesammelt und mit Tags versehen sind, so dass ihr auch gezielt nach bestimmten Themen suchen könnt. Das Portal hält verschiedene Formate wie unter anderem Filme, Lieder und Gedichte, aber auch Informationen über Kampagnen und politischen Aktivismus für euch bereit. Diese Materialien stellen Unrechtsverhältnisse aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedliche Weisen infrage.

mangoes & bullets ist der Titel eines Gedichtbandes von John Agard. Dieser Titel führt für uns vieles von dem zusammen, was wir durch die Materialsammlung thematisieren wollen: bullets als Symbol für Unterdrückung, aber auch für Widerstand gegen Kolonialismus, Rassismus und Ausbeutung; mangoes als so genannte Südfrüchte, als Produkt ausbeuterischer Arbeitsbedingungen und kapitalistischer Wirtschaftsstrukturen im globalen Welthandel; Früchte als die Süße des Empowerments; Früchte, deren Süße zum bitteren Beigeschmack wird, wenn wir in Konfrontation mit Rassismus ein süßes Lächeln aufsetzen müssen, obwohl wir am liebsten mit der Wucht einer Kugel explodieren würden; Familienbande zu den Orten, wo die mangoes wachsen, während wir selbst im Land der bullets leben; bullets, in Deutschland gefertigt, die weit entfernt einschlagen, und Menschen, die sich aus Europa oder jenseits dessen auf den Weg in dieses Land machen, um mit allem anderen empfangen zu werden als mit lieblich schmeckenden mangoes.

Wenn Ihr mangoes & bullets verlinken wollt, würde uns das sehr freuen. Dafür können wir Euch ein Banner zuschicken. www.mangoes-and-bullets.org
mangoes-and-bullets@glokal.org

Working Paper Reihe des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung

Die Reihe "ipb working papers" dokumentiert die Arbeit der Initiative für Protest- und Bewegungsforschung. In loser Folge erscheinen Diskussionspapiere und Forschungsberichte. Die ipb working papers werden herausgegeben vom Verein für Protest- und Bewegungsforschung e.V.

Bisher sind die folgenden ipb working papers erschienen:

  • Postdemokratische Empörung. Ein Versuch über Demokratie, soziale Bewegungen und gegenwärtige Protestforschung (von Peter Ullrich)
  • Engagement Jugendlicher in Ostdeutschland. Umfang, Formen und Einbettung in jugendliche Lebenswelten (von Jochen Roose und Franziska Scholl (Mitarbeit))
  • Titel: Protestforschung am Limit. Eine soziologische Annäherung an Pegida (von Priska Daphi, Piotr Kocyba, Michael Neuber, Jochen Roose, Dieter Rucht, Franziska Scholl, Moritz Sommer, Wolfgang Stuppert und Sabrina Zajak)
  • Occupy Frieden. Eine Befragung von Teilnehmer/innen der “Montagsmahnwachen für den Frieden” (von Priska Daphi, Dieter Rucht, Wolfgang Stuppert, Simon Teune und Peter Ullrich)

Weitere Infos und die Papers gibt es hier.

CFP: Central Europe and Colonialism: Migrations, Knowledges, Perspectives, Commodities // Wrocław // Deadline 30.9.

Central Europe and Colonialism: Migrations, Knowledges, Perspectives, Commodities

21-23 September 2016, Wrocław, Poland

Central Europe has not yet been an object of keener interest in (post)colonial studies. However, not only did large numbers of Central Europeans migrate to the (former) colonial world, but Central Europeans also provided personnel to occupy, administer and police colonial empires, and reflected on colonial experiences at the levels of high and popular culture. Even if largely excluded from colonial politics at an international level, Central Europeans played an important role in generating new discourses based on data gathered in the colonial contact zone. Publications on exotic worlds circulated widely in Central Europe and inspired new conceptions of world history, world literature, and cosmopolitanism, in conjunction with new concepts of human nature (esp. a division of humanity in races) and ecology, with wide ranging consequences for world history.

A closer look at the role of Central European actors in imperial domains can contradict the supposed consistency of colonial discourses. Although Central Europeans in colonial territories blended into the colonial ruling class and acted in a transnational capacity as ‘Europeans’, they nevertheless preserved shades of difference. Focussing on these differences might put the supposed sameness of colonisers into perspective.

In addition, their in-between position brought Central Europeans into contact with both the West European imperial powers and Russia, which made the Central European experiences and perspectives in many ways richer than those of the colonial powers themselves, where close contacts with specific territories tended to marginalise perceptions of other parts of the world. Therefore, an important point to discuss would be the role Central Europe played in developing notions of globalism.

On the other hand, large parts of Central Europe experienced a similar fate at the hand of the great powers (recently from the Soviet Union) as countries in Africa, Asia and the Americas. Just as (post)colonial studies examines the colonial past of these areas, scholars have recently started to explore the same processes in Central Europe.

Finally, increasingly global trade networks, brought about by the expansion of European colonialism, impacted on material culture, whether via the importation of new commodities to Central Europe, or the export of manufactured goods. The conference also aims at furthering investigations in this field.

The themes of the conference will be covered in four panels:

  • Migrations deals with both permanent migration from Central Europe to (erstwhile) colonies of the West European powers and Russia, and with temporary labour migration of colonial soldiers, missionaries, technicians, colonial civil servants and, in the case of Russia, of convicts and political prisoners.
  • Knowledges explores the genesis of various discourses that developed in relationship with the colonial world, to which actors from Central Europe made important contributions, such as geography, social and cultural anthropology, physical anthropology, Oriental studies, (world) history, and thinking on cosmopolitanism and globalism. Furthermore, knowledge production relating to coloniality in Central European travel writing and literature will be considered.
  • Within Perspectives, insights from (post)colonial studies are applied to the history and culture of Central Europe, with a special focus on ambiguities ensuing from complex situations of dependence and domination. We invite reflection on methodologies of conceptualizing Central Europe (its history, self-identity) vis-à-vis Western Europe (a contentious term as it is) and Russia (and the Soviet Union); the role of nationalism in developing anti-imperial counter-discourses in the region and transitional states (postcommunist, post-World War I and II) as opening up revisionary insights into the past and new visions of the future.
  • Commodities examines the exports of manufactures from Central Europe to the New World and the imports of products from the Americas and Asia to Central Europe. In this respect, especially, the reception and the impact of cultural “colonial” commodities on the material culture in everyday life of the region will be considered.

We understand Central Europe as an area stretching from the territories of the former Polish-Lithuanian Commonwealth in the East and to the German speaking regions in the West. The time range covered by the conference stretches from Early Modernity to the post-World War Two period and involves the colonial history of both the West European powers and Russia.

The conference will be held in Wrocław, Poland, 21-23 September 2016. It is a joint venture between the European Academy of Science / Academia Europaea (Knowledge Hub, Wrocław) and the Faculty of Philology of the University of Wrocław. A selection of papers will be published. The conference is the last in a series of four symposia, which bring together established scholars with early career researchers, particularly from East Central Europe.

Invited speakers:

  • Theo D'Haen (Leuven)
  • Katrin Flikschuh (London School of Economics)
  • Thomas DaCosta Kaufmann (Princeton)
  • Dariusz Kolodziejczyk (Warsaw)
  • Mark Haeberlein (Bamberg)
  • Madina Tlostanova (Moscow)
  • Przemysław Czaplinski (Poznan)
  • Dirk Uffelmann (Passau)

APPLICATION: The registration is available at: www.acadeuro.wroclaw.pl. Submit a 300-word proposal, a curriculum vitae with a list of publications by 30 September 2015. All applicants will be notified about the selection of participants before 31 October 2015.

REQUIREMENTS: Presenters are required to submit a 3,000-5,000 word description or excerpt (i.e., chapter, article, etc.) to be circulated among participants by March 1, 2016. All workshop participants are asked to read these submissions prior to the workshop. The paper should be an unpublished one. Presenters who do not meet the submission deadline will not be able to present their work.

THE SEMINAR LANGUAGE will be English.

FINANCIAL ARRANGEMENTS: The organizers will cover the conference fee and the costs of accommodation (up to 4 nights), travel (up to a certain maximum: Western Europe – up to 100 EUR; Central and Eastern Europe – up to 150 EUR) and insurance.

Organising Committee:

  • Pieter Emmer (History, Leiden)
  • Siegfried Huigen (Dutch and South African Studies, Wrocław)
  • Dorota Kołodziejczyk (Postcolonial Studies Centre, Wrocław)
  • Michael North (History, Greifswald)
  • Ola Nowak (Knowledge Hub, Academia Europaea, Wrocław)
  • Renate Pieper (History, Graz)
  • Dorota Praszałowicz (American & Migration Studies, Krakow)

All correspondence, including submission of proposals and final papers, must be addressed to: Katarzyna Majkowska (majkowska@acadeuro.wroclaw.pl) or via www.acadeuro.wroclaw.pl

CfP: Deadline 30.09.: Beiträge für eine neue Broschüre des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag (BER)

Aufbauend auf jahrelangen antirassistischen Kämpfen und Bewegungen an vielen Orten und durch viele verschiedene Akteur*innen hat der BER durch seine Broschüren „Von Trommlern und Helfern“ (2007), „Wer andern einen Brunnen gräbt...“ (2012) und „Develop-mental Turn“ (2013) wesentlich zur aktuellen Diskussion um Rassismus in der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit in Deutschland beigetragen.

Nun sind fast zehn Jahre seit dem Beginn der Arbeit an der ersten Broschüre ins Land gezogen. Die entwicklungspolitische Szene hat kontrovers diskutiert; Mitarbeitende und Organisationen haben sich selbst und andere hinterfragt; es gab Schritte nach vorn, aber auch viele zurück.

Der Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag (BER) ist der Dachverband der entwicklungspolitischen Organisationen in Berlin. Aufbauend auf jahrelangen antirassistischen Kämpfen und Bewegungen an vielen Orten und durch viele verschiedene Akteur*innen hat der BER durch seine Broschüren „Von Trommlern und Helfern“ (2007), „Wer andern einen Brunnen gräbt...“ (2012) und „Develop-mental Turn“ (2013) wesentlich zur aktuellen Diskussion um Rassismus in der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit in Deutschland beigetragen. Nun sind fast zehn Jahre seit dem Beginn der Arbeit an der ersten Broschüre ins Land gezogen. Die entwicklungspolitische Szene hat kontrovers diskutiert; Mitarbeitende und Organisationen haben sich selbst und andere hinterfragt; es gab Schritte nach vorn, aber auch viele zurück.

Diese Schritte wollen wir uns ansehen. Mit dem Wissen um Auseinandersetzungen, Erfolge und Reproduktionen setzt die neue Broschüre an und lädt ein, sich mit Beiträgen, die folgenden Fragestellungen nachgehen, zu beteiligen:

1. Bestandsaufnahme

Wie ist die aktuelle Situation der Diskussion um rassismuskritische und postkoloniale Perspektiven in der entwicklungspolitischen Szene in Deutschland zu bewerten? Was gilt aktuell als umkämpft? Ist die entwicklungspolitische Arbeit grundlegend erschüttert worden? Oder sind einzelne Organisationen und Initiativen lediglich etwas reflektierter geworden, aber die Machtverhältnisse bleiben unverändert und weiße Mitarbeitende besetzen die Stellen und Ressourcen und Entscheidungshebel, und eurozentrische Ideologien beherrschen weiterhin die Praxis? Wie sieht es in Organisationen und Initiativen aus, die sich auf strukturverändernde Prozesse eingelassen haben? Welche Erfahrungen und Gedanken gibt es aus den unterschiedlichen Perspektiven und Positionierungen auf die Debatte und Prozesse?

2. Visionen

Welche Ziele und Visionen gibt es? Wer oder was hat diese Vision inspiriert? Kann es überhaupt eine rassismussensible entwicklungspolitische Arbeit geben? Was bräuchte es anstelle? Wie würde die Praxis nach Dekolonisierungsprozessen aussehen? Wie wären Organisationen strukturell und personell aufgestellt? Welche Aufgaben hätten sie? Welche Notwendigkeiten von Empowerment und Powersharing im Umgang mit Privilegien, Definitionsmacht und Ressourcen gibt es?

3. Erfahrungsberichte

Welche Erfahrungsberichte und Best Practise Beispiele gibt es? Aus welchen Fehlern könnten andere Akteur*innen lernen? Welche Handlungsempfehlungen für eine rassismuskritische Entwicklungspolitik (z.B. rassismussensible Öffnung der eigenen Organisation, in der entwicklungspolitischen Inlands- oder Auslandsarbeit, in der Bildungs-, Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit sowie dem Fundraising, in der Zusammenarbeit zwischen weißen Organisationen und migrantisch-diasporischen Organisationen, etc.) gibt es? Wovon braucht es mehr? Wovon weniger? Was waren Schritte nach vorn? Warum gab es Schritte zurück? Wer waren Wegbegleiter*innen? Wer waren Verbündete? Wo und warum sind Bündnisse gescheitert? Was waren Wendepunkte? Wo befinden wir uns auf der Wegstrecke?

Zielgruppe

Die Broschüre richtet sich an alle, die sich mit rassismuskritischer entwicklungspolitischer Bildungs- und Projektarbeit beschäftigen und sich und ihre Arbeits- und Engagementkontexte im Hinblick auf rassismuskritische Strukturen und Inhalte weiterbringen wollen. Darüberhinaus sollen auch Lehrende, Lernende, Forschende, Beratende, Studierende, Multiplikator*innen angesprochen werden. Die Beiträge sollen die praxisorientierte Zielgruppe berücksichtigen und allgemein verständlich geschrieben sein, ohne dabei die Tiefe des Themas zu vernachlässigen.

Zeitplan

Beiträge können in Form von Artikeln, Interviews, Gruppendiskussionen, sowie fiktivem oder kreativen Beiträgen bestehen. Wir bitten bis zum 30. September 2015 um die Zusendung von Artikelvorschlägen in Form eines Abstracts zu dem von uns angerissenen Thema. Der Abstract sollte einen Arbeitstitel, eine Kurzbeschreibung (max. 250 Worte) sowie eine kurze Angabe zu den (institutionellen Kontexten der) Autor*innen beinhalten. Wir freuen uns auch über früher eingereichte Abstracts.

Nach einer Auswahl und Rückmeldung durch die Redaktion, wird die Frist für die erste Artikelversion der 15.01.2016 sein. Die Veröffentlichung ist für Sommer 2016 geplant. Beiträge können auch in Englisch und Französisch geschickt werden. Weitere Sprachen bitte in Absprache mit uns.

Es stehen in begrenztem Umfang Mittel für Aufwandsentschädigungen für Autor*innen zur Verfügung (200-250 Euro/Beitrag). Wir bitten Autor*innen, die nicht auf eine Aufwandsentschädigung angewiesen sind, dies im Abstract zu vermerken.

Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Vielen Dank und herzliche Grüße

Nadine Golly und Timo Kiesel (Projektleitung)

Lüneburg/Berlin im Juli 2015
publikation@ber-ev.de

Mehr Infos hier.

CfP: Postcolonial Queer Europe - LAMBDA NORDICA – NORDIC JOURNAL FOR LGBTQ STUDIES

Postcolonial Queer Europe
LAMBDA NORDICA – NORDIC JOURNAL FOR LGBTQ STUDIES

Deadline for abstracts: September 1, 2015

In recent years, the intersection between postcolonial/critical race theory and queer theory/studies has proved one of the most urgent and productive themes within US/Anglo-American LGBTQ studies. Simultaneously, alongside new approaches to intersectionality, feminist studies of European and Nordic colonialism, postsocialist, postcolonial and queer of color critiques of Europe/Europeanness and importantly, critical race studies, are on the rise in Europe. This special issue of lambda nordica aims to address of some of these themes and invites submissions for articles that empirically and theoretically engage with European materials and perspectives. What challenges and questions do postcolonial, postsocialist and critical race theoretical perspectives pose for queer studies in the Nordic region and in Europe more broadly?

Topics can include (but are not limited to):
Queering Sápmi and Kalaallit Nunaat
Queer/indigenous activism/studies
Black/Asian/Arab European queer studies
Postsocialist and postcolonial critiques of queer studies
Queer of color critique
Queer Antiracism/Antiracist queer activism in Europe/the Nordic region
Homonationalism and Sexual citizenship
LGBTQ asylum/refugee rights and activism
Queering diaspora and migration studies
Queering the history of racial biology
Queerness and (Nordic/European) colonialism
Queer/critical race theory
Teaching intersectionality and queer/postcolonial studies
Critical Whiteness studies

Articles should be between 5,000 and 7,000 words including footnotes and references and should not have been published previously. The issue will be in English. For more detailed instructions, see the journal webpage: www.lambdanordica.se.

We ask you to send us one-page abstracts for article submissions.

Deadline for abstracts: September 1, 2015

Deadline for articles: February 1, 2016

Please send queries and submissions to Ulrika.dahl@lambdanordica.se and/or jenny.bjorklund@lambdanordica.se

Download call for papers - Postcolonial Queer Europe

lambda nordica is a Nordic peer-reviewed academic journal for research in the Humanities and Social Sciences with relation to LGBT and Queer Studies. We strive to support the dialogue between established and younger scholars to inspire to more LGBTQ research in the Nordic area and support the initiative to new research areas in the field. The journal also introduces and reviews international LGBTQ literature.

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CfP Zeitschrift Movements: "Rassismus"

Die movements Ausgabe 2(1) wird sich mit gegenwärtigen rassistischen Formationen in und über die BRD hinaus beschäftigen. Die jüngsten Entwicklungen in Deutschland werden häufig mit den 1990er Jahren verglichen, als sich neonazistischer Terror auf der Straße und die faktische Abschaffung des Asylrechts im sogenannten Asylkompromiss aufeinander bezogen. Heute lässt sich Ähnliches beobachten. In den antimuslimischen Großdemonstrationen von PEGIDA und Co. oder in ‚Bürgerinitiativen‘ gegen die Unterbringung von Geflüchteten oder gegen sogenannte ‚Armutszuwanderung‘ aus EU-Mitgliedsstaaten kommen rassistische Haltungen zum Ausdruck, die in der deutschen Bevölkerung bis heute weit verbreitet sind. Auch dieses neuste Aufleben gesellschaftlicher Stimmungsmache gegen Migration und Pluralität ist mit einem drastischen Anstieg rassistischer Gewalt verbunden. Und wie in den 1990er Jahren wird diese nicht etwa mit einer klaren Zurückweisung des Rassismus beantwortet. Damals wie heute sind die politischen und staatlichen Reaktionen selbst rassistisch und tragen zur weiteren Kriminalisierung und Pathologisierung von Flucht und Migration und der damit verbundenen Bewegungen bei (bspw. durch die Asylreformen von November 2014 und Juli 2015). Wie sehr Rassismus sich in einem politisch, staatlich und gesellschaftlich gewährten Raum entfalten kann, verdeutlicht auch der NSU-Komplex immer wieder auf erschreckende Weise: von den unzähligen Verstrickungen deutscher Sicherheitsbehörden, über die Sabotageakte in der Aufklärungsarbeit, bis hin zur weitgehenden politischen Folgenlosigkeit und dem Ausbleiben öffentlicher Empörung über diese Skandale.

Trotzdem greift der Vergleich zu den 1990er Jahren unseres Erachtens zu kurz, denn er übersieht die seither erfolgten gesellschaftlichen Transformationen. Die Bewegungen der Migration haben nicht nur zu einer umfassenden Pluralisierung der Gesellschaft und gelebten Selbstverständlichkeit von Mehrfachzugehörigkeiten geführt, sondern die damit verbundenen Kämpfe haben mittlerweile deutliche Spuren im Repräsentationsregime hinterlassen. Damit einher gehen neue Partizipationsmöglichkeiten von (ehemals) Eingewanderten und ihren Nachkommen und neue Möglichkeiten, Diskriminierung und rassistische Ausschlüsse zurückzuweisen und juristisch zu bekämpfen. Ähnliches lässt sich für Österreich und die Schweiz, aber auch für viele andere Einwanderungsländer weltweit registrieren: Einerseits pluralisieren sich diese Gesellschaften immer weiter, andererseits bestehen rassistische Ausschlüsse fort, bzw. werden entlang neuer Grenzen produziert, häufig im Zusammenspiel mit anderen gesellschaftlichen Verhältnissen wie Geschlecht und Klasse. Diese auf den ersten Blick widersprüchlichen Entwicklungen machen eine Aktualisierung von Rassismusanalysen notwendig. Die Linien, Techniken, Diskurse, Zielgruppen und Praktiken der rassistischen Zuweisung und des Ausschlusses haben sich mit den gesellschaftlichen Veränderungen verschoben und gewissermaßen verkompliziert. Rassistische Markierungen fungieren über Umwege, häufig in Referenz auf vermeintlich universelle Werte (bspw. Freiheit, Toleranz, Produktivität) und durch die systematische Dethematisierung rassistisch strukturierter Ungleichheit. Analytisch muss damit die Frage in den Mittelpunkt rücken, wie genau diese Ausschlüsse hergestellt und aufrechterhalten werden. Es fehlt bislang an empirischen Forschungen und rassismustheoretischen Reflektionen, die aufzeigen, wie und mit welchen Mitteln unter diesen veränderten Umständen neue Grenzen gezogen werden und wie sich dabei Subjektivierungs- und Organisationsformen und damit Grenzen und Möglichkeiten von Kämpfen und Taktiken gegen rassistische Ausschlüsse verändern.

Für die Ausgabe suchen wir Beiträge, die sich mit diesem Spannungsfeld auseinandersetzen. Das Journal bietet Raum für wissenschaftliche Aufsätze, politische Interventionen und Positionierungen, Interviews, Berichte aus der Forschung, Rezensionen. Insbesondere fragen wir nach wissenschaftlichen Aufsätzen, die eine theoretische und empirische Aktualisierung von Rassismustheorien entwickeln und die institutionelle Reproduktion von Rassismus in unterschiedlichen Feldern wie Arbeit, Bildung oder Wohnen untersuchen. Beiträge, die dabei Verschränkungen von Race/Class/Gender thematisieren, sind ausdrücklich erwünscht.

Wir freuen uns über die Zusendung von maximal einseitigen Abstracts bis zum 1.8.2015. Die fertigen Beiträge sollen je nach Format einen Umfang von 20.000 bis 40.000 Zeichen haben und können auf Deutsch oder Englisch verfasst sein (weitere Sprachen auf Anfrage). Deadline für die vollständigen Beiträge wird der 1.12.2015 sein. Alle Einreichungen müssen für die Publikation erfolgreich das Review-Verfahren durchlaufen. Wissenschaftliche Aufsätze werden von mindestens zwei Expert_innen anonym begutachtet, alle anderen Beiträge durch die Redaktion (ebenfalls blind). In jedem Fall diskutiert die Redaktion Kommentare und Überarbeitungsvorschläge mit den Autor_innen in einem transparenten Prozess. Erscheinungstermin der Ausgabe ist April 2016.

Kontakt und Zusendung der Abstracts: info@movements-journal.org

Weitere Informationen: http://movements-journal.org/redaktion/call-for-papers.html

PDF-Datei des CfPs hier.

Deadline 16.08.: Mitarbeiterin in der Fachstelle Jugendhilfe - Demokratiewerte gegen Rechts

Stellenausschreibung des Kulturbüro Sachsen e.V., Dresden, 14. Juli 2015

Stellenausschreibung Mitarbeiterin in der Fachstelle Jugendhilfe - Demokratiewerte gegen Rechts

Der Kulturbüro Sachsen e.V. und seine drei Mobilen Beratungsteams beraten seit 2001 Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Umsetzung und der Entwicklung von Strategien zur Demokratieentwicklung in
sächsischen Städten und Gemeinden.
Seit 2014 berät die Fachstelle Jugendhilfe - Demokratiewerte gegen Rechts im Bereich von Jugendhilfe und Kitas zum Themenfeld Rechtsextremismus und Demokratieentwicklung. Für die Beratung und Qualifizierung von öffentlichen und freien Trägern von Kindertagesstätten/Jugendhilfe/offene Jugendarbeit auf regionaler und örtlicher Ebene suchen wir ab September 2015 eine Mitarbeiterin für eine 30 Wochenstunden, um das Team zu verstärken.

Eine detaillierte Stellenbeschreibung sowie den Bewerbungsfragebogen gibt es hier.

Bitte richten Sie Ihre Bewerbung mit tabellarischem Lebenslauf, Zeugnissen und dem ausgefüllten Bewerbungsfragebogen bis zum 16.08.2015 per E-Mail an: liane.roemmermann@kulturbuero-sachsen.de
Es werden nur digitale Bewerbungen akzeptiert.

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